WIe die Sprache unser Wohlbefinden beeinflusst
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Wie die Sprache unser Wohlbefinden beeinflusst

Gastbeitrag von Dario Reis

Worte können uns verletzen oder zum Lachen bringen. Sie können uns Hoffnung geben oder am Boden zerstören. Schon immer gab es Menschen, die besonders gut mit Worten umgehen konnten. Sie benutzen sie, um andere Menschen zu beeinflussen und zu führen.

Wenn wir mit jemandem sprechen, beeinflussen wir nicht nur unseren Gesprächspartner, sondern auch uns. Selbst in einem inneren Monolog beeinflussen wir uns mit den „gesprochenen“ Wörtern.

Wieso beeinflussen uns Worte so stark?

Unser Handeln wird sehr stark von unseren Gefühlen bzw. emotionalen Zustand geprägt. Unsere Gefühle wiederum werden von unserer Vorstellungskraft bzw. Erfahrung beeinflusst und hier kommen die Worte ins Spiel. Wir beschreiben bestimmte Situationen oder Erfahrungen mit Worten. Wir geben ihnen sozusagen Namen. Von diesem Zeitpunkt an verbinden wir die Erfahrung die wir gemacht haben, mit dem Wort.

Stell dir jetzt eine besonders eklige Situation vor.

Was hast du gesehen? Vermutlich irgendetwas aus deiner Vergangenheit, was dir als besonders eklig im Kopf geblieben ist. Dieses Gefühl hast du nur durch die Vorstellung wieder wach gerufen.

Ein anderes Beispiel: Wenn du jemanden als „ritterlich“ bezeichnest, was kommt dir dabei in den Sinn? Vermutlich siehst du einen edlen Ritter vor deinem geistigen Auge mit seinen besonderen Eigenschaften wie Mut, Ehre und gutes Verhalten. Wenn du jemanden nur als mutig bezeichnest, hast du ein ganz anderes Bild im Kopf und somit auch ein ganz anderes Gefühl.

Worte beeinflussen deine Stimmung

Oft denken wir gar nicht über unsere Wortwahl nach. Vielleicht ist dir schon einmal aufgefallen, dass viele Leute das Wort „hassen“ sehr oft benutzen. „Ich hasse es, wenn das passiert…“, „ich hasse es, wenn jemand so reagiert…“. Allein der Gebrauch von diesem Wort, kann dich mehr aufregen, als es für die Situation angemessen ist.

In der Philosophie wird Hass als leidenschaftliche Abneigung bezeichnet. Im Allgemeinen benutzen wir hassen aber nur als Ausdruck, dass uns etwas nervt. Eigentlich ist unser Gefühl viel schwächer. Denn Hass ist ein viel tiefer sitzendes, kräftigeres Gefühl. Nichtsdestotrotz wecken wir, wenn wir das Wort „Hass“ benutzen unseren eigenen Hass. Wenn auch nur ganz leicht. Wir werden trotzdem an ein einschneidendes Erlebnis denken, bei dem wir Hass verspürt haben. So passiert es, dass Missgeschicke, die uns normalerweise nur nerven, regelrecht auf die Palme bringen.

Wörter können Unsicherheiten ausdrücken

Vielleicht ist dir schon einmal aufgefallen, dass Leute die selbstbewusst sind eine andere Sprache benutzen, als Personen, die nicht selbstbewusst sind. Unsichere Leute sprechen eine Sprache, die die Wahl lässt: „Vielleicht klappt es…“, „Ich würde mich freuen wenn…“, „Ich bin mir nicht sicher, ob…“ oder „ich probiere es mal…“. Das sind alles Sätze, die keinen Nachdruck haben. Wenn jemand so spricht, ist er nicht überzeugt von sich oder seinem Vorhaben. Wenn du nicht von etwas überzeugt bist, hängst du dich nicht voll rein. Das merkst du am Ende bei dem Ergebnis, das du erzielst. Wenn du dagegen sagst: „Ich mache es…“, „Ich schaffe es…“, „das kriege ich schon hin…“, dann steht dahinter viel mehr Selbstbewusstsein und Vertrauen in deine Fähigkeiten.

Dazu passt ein bekanntes Zitat, das die Science-Fiction Fans unter euch vielleicht kennen: „Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen.“  Yoda – Star Wars

Ich finde es genial. Denn das Wort „versuchen“ drückt wieder Unsicherheit aus. Wenn du es nur versuchst, ist es nicht schlimm für dich, wenn du es nicht schaffst. Genau deswegen steigt aber die Wahrscheinlichkeit, dass du es nicht schaffst. Wenn du dagegen sagst: „Ich mache es!“ stehst du dahinter. Deine Intention ist eine ganz andere. „Ich mache es!“ hat viel mehr Nachdruck.

Lenke deine Gefühle durch Abstufungen

Wir Menschen sind zu viel mehr Gefühlen als Wut, Liebe, Freude, Trauer usw. fähig. Die Wahrheit ist, es gibt unendlich viele Gefühle. Denn jedes Gefühl unterscheidet sich von Situation zu Situation in seiner Intensität.

Genauso gibt es auch unheimlich viele Abstufungen von Wörtern, die alle etwas Ähnliches meinen.

Es gibt immer Abstufungen von Wörtern. Du kannst sagen, „ich bin wütend“ oder du kannst sagen, „ich bin gereizt“. Das ist ein Unterschied. Wut ist eine tiefergehende Emotion als Gereiztheit. Sie ist viel stärker. Wenn man gereizt ist, hat man noch Kontrolle über sich. Bei der Wut ist man dabei die Kontrolle über sich und seine Emotionen zu verlieren. Also achte das nächste Mal darauf, wie du deine Gefühle benennst. Passt der Name wirklich zu der Intensität?

In einer Studie, die Tony Robbins in einem seiner Bücher erwähnte ging es darum, dass Straftäter, die zur körperlichen Gewalt neigten, einen nicht so reichhaltigen Sprachschatz haben als normale Menschen. Er und auch Psychologen schließen daraus, dass die Gefühle der Straftäter nicht so eine große Bandbreite haben, wie bei normalen Menschen. Denn sie haben nie gelernt sie auszudrücken. Dadurch gibt es bei ihnen kaum Zwischenschritte von genervt sein bis zu dem Punkt, an dem sie jemanden schlagen wollen.

Wörter können dich klein halten

Ein weiteres Wort, das nur allzu oft genutzt wird, ist das Wort „aber“. „Das Wochenende war schön, aber morgen muss ich wieder arbeiten.“ Wie hört sich das an? Für mich klingt das so, als ob der morgige Tag einen viel größeren negativen Effekt auf unsere Gefühle hat, als das komplett schöne Wochenende. Es hört sich nicht nur so an, es fühlt sich auch so an. Das ist der Knackpunkt. Obwohl wir es vermutlich gar nicht so meinen, kommt es so in unserem Gehirn an. Genau das, was in unserem Gehirn ankommt, hat am Ende des Tages Einfluss darauf, ob wir uns gut fühlen oder nicht.

Achte auf den Wortschatz deiner Mitmenschen

Es heißt, dass man der Durchschnitt von den fünf Personen ist, die man am meisten um sich hat. Das liegt nicht nur daran, dass man sich an das Verhalten der Anderen gewöhnt, sondern auch daran, dass man sich den Wortschatz, den die anderen Personen gewohnheitsmäßig benutzen auch benutzt.

Dir ist das vielleicht auch schon mal aufgefallen, wenn du eine lange Zeit mit Freunden zusammen warst. Vermutlich hat sich euer Sprachschatz etwas aneinander angepasst. Ich konnte das sehr gut in meiner ehemaligen WG beobachten. Eine Mitbewohnerin kam aus dem Frankenländle und dort sagt man, wenn man von etwas genervt ist, dass es einen langweilt. Nach einer Zeit habe ich dieses Wort auch benutzt und habe gemerkt, dass wenn mich etwas genervt hat, ich keine Angespanntheit mehr spürte wie sonst, sondern eher ein Desinteresse. Was davon jetzt besser oder schlechter ist, sei dahingestellt, ABER es hat eindeutig mein Verhalten geändert.

Was du tun kannst

Jeder Mensch hat einen anderen gewohnheitsmäßigen Sprachschatz. Deswegen bringt es nichts, wenn ich schreibe, lass das Wort XY weg. Was du tun kannst ist, deinen Sprachschatz ein paar Tage lang bewusst zu überprüfen. Welche Wörter gebrauchst du oft und wie können sie dich beeinflussen? Schreibe auf, ob sie eventuell eine negative Auswirkung auf dich haben könnten und ersetze  sie durch andere.

Ich hoffe der Artikel hat dir gefallen und ich konnte dich auf etwas aufmerksam machen, dass viele Leute gar nicht beachten.


Über den Autor

Dario Reis

Ich bin Dario, studiere in Innsbruck und bin ein Querdenker. Vor vier Jahren bin ich 11 Monate lang durch Kanada gereist, um meinen Hobbys Skifahren, Mountainbiken und Surfen nach zu gehen. In der Zeit habe ich gelernt, was wirklich wichtig ist für ein glückliches Leben. Seit dem beschäftige ich mich mit Persönlichkeitsentwicklung, Kommunikation und Zielsetzung. Deswegen habe ich www.darioreis.com gegründet, um anderen Leuten zu helfen, ein erfülltes Leben zu führen


 

photo Titelbild: unsplash.com
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2 Kommentare

  • Antworten Michaela 25/06/2016 at 19:48

    Super Artikel!
    Ich nutze oft folgende Sätze:

    Deine Gedanken werden zu Deinen Worten,
    Deine Worte werden zu Deinen Taten,
    Deine Taten werden zu Deinem Schicksal.

    Ich finde das drückt sehr gut aus, dass bereita unsere Gedanken über uns selbst für unsere Wortwahl verantwortlich sind.

    Viele Grüße
    Michaela

    • Antworten Nicole 26/06/2016 at 15:52

      Liebe Michaela,
      danke für das Teilen dieser Sätze. Steckt wirklich viel Wahrheit dahinter.
      Schönen Sonntag noch 🙂

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