Hektik und Kontrollverlust
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Wie du Hektik und Kontrollverlust loswirst und nach deinem Rhythmus lebst

Gastbeitrag von Jasmin von healthyhabits.de

Wachst du morgens ohne Wecker auf, fühlst dich erholt und voller Tatendrang? Flutscht dein Alltag? Bist du im Flow? Schläfst du genug?

Oder bist du chronisch müde, hetzt zur Arbeit, schaffst immer zu wenig und schleppst dich abends nach Hause? Liegst du den Rest des (Feier-) Abends auf der Couch, gehst viel zu spät ins Bett, wo der Schlaf auf sich warten lässt? Dreht sich dein Gedankenkarussell weiter?

Du und ich – wir leben in einer hektischen Zeit. Unsere Antwort ist Multitasking, obwohl das total stresst. Schnelligkeit ist Trumpf. Nichts darf zu lange dauern. Schnell aufs Klo, schnell zur Post, schnell noch einkaufen.

Wir wissen längst, dass Stress krank macht. Aber um etwas zu ändern, fehlt uns die Zeit! Selbst wenn wir sie hätten, wo sollten wir anfangen? Die Zeit rieselt uns gefühlt durch die Finger. Wir fühlen uns gehetzt, erschöpft und müde. Der Geist ist zerstreut und wirr.

Gestatten: Homer, die Wasserschildkröte

Denken wir zur Abwechslung an: Schildkröten! Ich tue das ehrlich gesagt häufiger, denn eines dieser possierlichen Tierchen schwimmt bei mir zu Hause in seinem Aquarium.

Mein Blick auf das Panzertier namens Homer änderte sich, als ich “Die 7 Geheimnisse einer Schildkröte“ las. Homer kann einige Dinge ziemlich gut: er ist immer gelassen, macht sein Ding und lebt sehr lang. Er ist ein Vorbild!

‚Gut‘, könntest du jetzt denken, ‚der hat auch nicht so viel zu tun.‘ Stimmt. Trotzdem bewundere ich, wie er ein Leben nach seinem persönlichen Rhythmus führt.

Damit du weißt, was ich meine, erzähle ich dir ein bisschen was über Homer und seine Kollegen: Wasserschildkröten sind (je nach Art) gute und schnelle Schwimmer. An Land bewegen sie sich langsam und bedächtig. Wenn sie ausgeschlafen haben, heizen sie sich gern an einem sonnigen Plätzchen auf. Im Sommer sind sie lange aktiv, denn es ist länger hell. Im Winter schlafen sie viel, bewegen sich und fressen weniger als im Sommer.

Was Schildkröten uns voraushaben

Siehst du den Unterschied zu uns, außer dass wir nicht jeden Morgen sonnenbaden? Homer macht sein Ding – im Einklang mit dem Rhythmus der Natur. Er lässt sich nicht hetzen, macht nichts gleichzeitig. Er frisst, wenn er Hunger hat (und etwas findet), trinkt, wenn er durstig ist.

Spielen die Natur, Tag und Nacht oder deine Vorlieben in deinem Alltag eine Rolle? Wohl kaum. Die eigenen Vorlieben können wir höchstens am Wochenende ausleben. Seit es elektrisches Licht und Heizungen gibt, ist egal, ob Sommer oder Winter ist. Von der Nacht müssen wir uns nichts vorschreiben lassen, seit es Online-Streaming gibt.

Apropos Internet: Erfindungen sind immer auch eine Herausforderung für unseren Rhythmus. Wie schon unsere Vorfahren müssen wir mit ihnen umgehen lernen. Die Glühbirne war beispielsweise Fortschritt und Schock zugleich, denn die Menschen mussten lernen, trotzdem den Tag-Nacht-Rhythmus einzuhalten. So ähnlich geht es uns mit dem heutigen Medienangebot. Wir müssen lernen trotz aller Fortschritte unseren Rhythmus (wieder-) zu finden und beizubehalten.

Warum ist es gesünder nach seinem Rhythmus zu leben?

Gefühlt schreibt die Außenwelt vor, was wann zu tun und zu lassen ist. Wir könnten uns aber auch entscheiden, mehr nach unserem persönlichen Rhythmus zu leben. Das macht gelassener.

Rhythmus wird als großer Glücksfaktor beschrieben, denn sich seine Zeit frei einzuteilen macht zufrieden. Das zeigt eine Studie, nach der Beamte auf einer niedrigen Hierarchieebene eher burnout-gefährdet sind als ihre Vorgesetzten – nicht, weil das Fußvolk mehr arbeitet, sondern weil es nicht über sein Zeitmanagement entscheidet.

Nach deinem eigenen Rhythmus zu leben gibt dir mehr Kontrolle über dein Leben (zurück). Außer dir kann niemand in deinem Alltag auf die Bremse treten.

Stell dir vor, du lebst nach deinem Rhythmus

Stell dir vor, du kannst nach deinem persönlichen Rhythmus leben. Du würdest nicht versuchen alles gleichzeitig zu machen, sondern eins nach dem anderen. Das Tempo würdest du so wählen, wie es für dich angenehm ist. Du würdest deine Arbeit auf Tageszeiten konzentrieren, zu denen du viel Energie hast. Deine Freizeitgestaltung – kreative, sportliche und soziale Aktivitäten – würdest du von deinem Energielevel abhängig machen. Du würdest dann mehr unternehmen, wenn die Jahreszeit dich dazu motiviert. Du würdest dir mehr Ruhe gönnen, wenn du dich danach sehnst. Je nachdem, ob du Frühaufsteher oder Langschläfer bist, würdest du zu deinen Zeiten mit guter Laune aus dem Haus gehen.

Du lebst schon so? Wunderbar. Wenn nicht, klingt die Vorstellung vielleicht utopisch für dich. Doch auch in einem festgefahrenen Alltag gibt es Gelegenheiten, um wenigstens ein bisschen nach seinem Rhythmus zu leben. Wir müssen uns nur zunächst darüber klar werden, wie dieser aussieht.

Wie sieht dein persönlicher Rhythmus aus?

Folgende Fragen können dir helfen deinen Rhythmus genauer zu durchleuchten:

  1. Kommst du mit dem Tempo in deinem Leben gut klar?
  2. Zu welcher Tageszeit fühlst du dich am wohlsten?
  3. Zu welcher Jahreszeit fühlst du dich am wohlsten?
  4. Wann schläfst du am besten und tiefsten? Wie viel Schlaf brauchst du?
  5. Erholst du dich lieber aktiv oder passiv (Nickerchen vs. Rausgehen)?

Mein Rhythmus

Ich bin beispielsweise kein Frühaufsteher, aber auch kein notorischer Langschläfer. Morgens habe ich selten gute Laune, kann aber vormittags am produktivsten arbeiten. Gegen 17 oder 18 Uhr habe ich manchmal noch ein produktives Hoch, doch spätestens um 20 Uhr brauche ich Feierabend. Ich zwinge mich neuerdings zu mehr Langsamkeit, weil ich merke, dass mir das guttut. Genauso versuche ich, nicht zu viele Sachen gleichzeitig zu machen, denn das Rattern in meinem Kopf hört sonst nicht mehr auf.

An Tagen mit weniger Energie zwinge ich mich nicht zu anspruchsvollen Aufgaben, sondern suche weniger kopflastige To Dos oder mache eher Feierabend. Als Selbständige habe ich mehr Freiheit als Angestellte, doch es ist auch wiederum schwierig sich immer wieder selbst zu disziplinieren. Zu viel Freiraum ist auch nicht leicht.

Am Wochenende genieße ich es in den Tag hineinzuleben, keine Termine zu haben und gegen 12 Uhr mit dem Frühstück fertig zu werden. Demgegenüber steht meine Neigung zu einem vollen Terminkalender. Ich muss immer wieder abwägen zwischen Akku-aufladen und Dabei-sein.

Als ich früher angestellt war, wählte ich meine Arbeitszeit so, wie es mir angenehm war. Dank Gleitzeit war das kein Problem. Da ich Sport lieber am Abend mache als morgens, legte ich meine Fitnessstudio-Besuche auf den Feierabend.

Im Winter brauche ich mehr Schlaf und kämpfe dann gegen mein schlechtes Gewissen an, dass ich weniger unternehme. Dabei bräuchte ich das nicht zu haben, denn: es ist normal, dass ich in der dunklen Jahreszeit mehr Ruhe brauche.

Lass uns zu ein paar Strategien für dich und deinen Alltag kommen!

Tipps für die Praxis

  1. Hör auf deine innere Stimme! Du hast mehr Energie im Frühling/Sommer, brauchst aber mehr Schlaf im Herbst/Winter? Dann lebe danach und habe kein schlechtes Gewissen. Wenn du aufgrund des Lichtmangels niedergeschlagener bist, sorge für genügend Licht (auch im Zimmer) und geh raus an die Luft!
  2. Hör auf deine Intuition! Wissenschaftliche Studien haben uns unsere Intuition an vielen Stellen ausgeredet. Ständig meint jemand herausgefunden zu haben, wie viel Schlaf wann am besten ist, welcher Essensrhythmus ideal ist usw. Hör auf deinen Körper! Schlafe so, wie du es brauchst! Zieh nicht um die Häuser, wenn du morgens nicht aus dem Bett kommst.
  3. Pass deine Arbeitszeiten an! Lebe nach deinem Rhythmus, soweit es deine Arbeit zulässt.
  4. Lass dich nicht ablenken! Du könntest noch die Serie gucken und dort schnell online stöbern – oder zur Ruhe kommen und schlafen.
  5. Pflege ein Morgenritual!Viele Blogger haben Rituale nach dem Aufstehen und beschreiben sie als sehr wohltuend. Stell den Wecker zehn Minuten früher und verschaffe dir Zeit, um in Ruhe aus dem Haus zu gehen.
  6. Beachte Hunger und Durst! Iss, wenn du hungrig bist, trinke, wenn du Durst hast, statt es den ganzen Tag aus Hektik aufzuschieben.
  7. Eins nach dem anderen!Vermeide Multitasking, sondern erledige die Dinge nacheinander und in Ruhe. So wirst du schneller zum Ziel kommen.

Homer lässt übrigens freundlich grüßen. Nein, Quatsch. Ihm ist ziemlich egal, was ich hier schreibe. Denn Homer macht sein Ding. Er lebt nach seinem eigenen Rhythmus.

Wie viel Schildkröte steckt in dir? Welchen persönlichen Rhythmus hast du? Lebst du nach ihm? Schreib doch einen Kommentar. Ich freue mich auf dein Feedback.


Über die Autorin

Jasmin Schindler

Jasmin Schindler ist Bloggerin und beschäftigt sich seit einigen Jahren mit gesunder Ernährung, Bewegung und einer gesunden Lebensweise. Auf Healthy Habits schreibt sie zusammen mit Patrick Hundt über gesunde Gewohnheiten. Die beiden lassen dich teilhaben an ihrem Weg zum gesunden Gewohnheitstier sowie an den Fortschritten und Rückschlägen bei dem Versuch, ein gesundes Leben zu führen. Dabei möchten sie dir helfen, gesunde Gewohnheiten in den Alltag zu integrieren.

photo Titelbild: unsplash.com
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