Probleme aufschreiben
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Warum Probleme aufschreiben die Abkürzung zum Glück ist

Gastbeitrag von Paul Henkel (schreibenwirkt.de)

“Was bringt es, wenn ich meine Ängste und Probleme auch noch schön auf Papier vor mir sehe? Das macht es nur noch schlimmer.” Diesen Einwand kenne ich von mir und anderen. Warum Aufschreiben es nicht schlimmer macht, sondern im Gegenteil dich nachhaltig zufriedener machen kann?

Mein Freund hielt Schreiben für Aufwühlen von emotionalem Dreck. Schreiben, um zu wachsen? Er verband damit wehleidiges, kindliches Gejammere: “Vielleicht fühle ich mich dann kurz besser, aber nachhaltiger Effekt gleich Null.” Die Worte saßen.

Aber wovor hast du mehr Angst, davor hinzugucken und deine Gefühle und Probleme anzuschauen oder davor, dass du nach einiger Zeit zurückblickst und sich nichts geändert hat?

Ich habe immer noch hin und wieder Putzanfälle und betreibe Binge Watching von Serien, wenn es mir schlecht geht. Weil ich nicht hinsehen will. Weil ich den Schmerz, der damit verbunden ist, nicht fühlen will, weil ich Angst habe, dass er stärker ist als ich.

Schreiben erfordert Mut.

Wenn ich mich hinsetze und schreibe, erkenne ich an, was ist. Was in mir und was in meinem Leben ist. Ich mache eine schonungslos ehrliche Momentaufnahme, die sich je nach Umfang auch mal zu einer ausgiebigen Bestandsaufnahme ausweiten kann. Je schlechter es mir geht, desto mehr Zeilen gebe ich mir. Denn Veränderung kann nur passieren, wenn du den Ist-Zustand wahrnimmst, fühlst und anerkennst.

Wenn ich nicht weiß, was mich so niederdrückt, weiß ich auch nicht, was ich ändern kann, um mich wieder aufzurichten. Ich muss erst erkennen, wo ich bin, um zu entscheiden, wo ich hinwill.

Schreiben kann dir den Weg in eine bessere Zukunft ebnen.

Allerdings nur, wenn du vorher gewürdigt hast, was ist und was war. Eine bessere Zukunft ist Belohnung für die Mutigen, die sich ihrer Vergangenheit stellen.

Bist du bereit für einen Blick in die Ecken deiner Innenwelt, die du schon viel zu lange nicht ausgeleuchtet hast?

Damit dein Schreiben nicht im Selbstmitleid stehen bleibt, sondern sich konstruktiv auf dein Leben auswirkt, gilt es eine wissenschaftlich erforschte Methode anzuwenden. James Pennebaker hat in zahlreichen Studien belegen können, wie wichtig es ist, beim Schreiben beides zu schildern: die eigenen Erlebnisse wie auch die Gefühle und Gedanken, die damit verbunden sind. Es hilft nichts, nur die äußerlichen Faktoren einer emotional aufwühlenden Situation zu beschreiben. Innen und Außen gehören zusammen. Wer sich das zu Herzen nimmt, der kann kaum umhin eine Veränderung in sich festzustellen. In der Regel verändert sich das innere Bedürfnis über bestimmte Themen zu schreiben. In der systemischen Psychologie kennt man den Satz:

„Was ist, darf sein, und was sein darf, kann sich verändern.” Fritz Perls

Im Kontext des Schreibens heißt das: Hör auf deine Intuition. Wenn du wieder und wieder über das gleiche Thema schreibst, dann ist es für dich gerade wichtig. Dann darf es so sein. Wenn du das Gefühl hast, auch nach längerer Zeit nicht weiterzukommen, such dir einen Blick von außen – in Form eines Coachs oder Therapeuten. In der Regel brauchen manche Themen aber einfach Zeit, bis sie sich verabschieden. Wenn du es schaffst dein Schreiben nicht zu bewerten, wird es sich und wird es vor allem dich verändern.

Das Betrachten der Vergangenheit ist, wenn es einem inneren Bedürfnis entspringt, notwendig und heilsam. Es verändert deine Einstellung und deinen Blick auf die Zukunft. Es ist die Basis dafür, dass du das Hier und Jetzt mit ganzer Präsenz erleben kannst und deine Zukunft nicht aus der Opferrolle heraus, sondern als kreativer Schöpfer gestaltest.

Schreiben wirkt immer in allen Zeitdimensionen: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Schreiben führt dich über das Fühlen und Reflektieren der Gegenwart zu dem Ursprung in die Vergangenheit, sodass du mit veränderter Perspektive und aus verändertem emotionalen Zustand heraus in die Zukunft gehen kannst.

Du brauchst einen letzten Motivationskick? James Pennebaker hat in verschiedenen Studien nachgewiesen, dass das Schreiben über belastende Erfahrungen an nur vier aufeinanderfolgenden Tagen für 20 Minuten nachhaltig positive Wirkungen hat: Die Studienteilnehmer waren 6 Monate später glücklicher, seltener krank, berichteten von besseren soziale Beziehungen. Dafür lohnt es sich doch, die schmerzhaften Erfahrungen anzusehen, oder?


Über den Autor

Paul HenkelPaul Henkel ist hauptberuflicher Wortwerker und ausgebildeter Coach. In einer persönlichen Krise hat er Schreiben als Selbstcoachinginstrument für sich entdeckt. Auf seinem Blog Schreibenwirkt teilt er seine Erfahrungen, zeigt neue Perspektiven und vermittelt Techniken, mit denen sich jeder in ein besseres Leben schreiben kann.

Sein E-Book „Du bist genug – Schreibcoaching für ein besseres Selbstwertgefühl“ kannst du dir hier herunterladen.

 

 

photo Titelbild: unsplash.com
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5 Kommentare

  • Antworten Lisa 31/10/2016 at 13:29

    Ein wirklich schöner Beitrag, ich finde auch, dass es leichter ist, wenn man seine Probleme aufschreibt, so gewinnt man dazu einen gewissen Abstand und sieht die Dinge mit einem neuen Blickwinkel.
    Ich bin sowieso schrecklich, wenn es ums schreiben geht, bei mir wird einfach alles notiert, Ideen, Ziele, Träume einfach alles.
    Alles Liebe
    Lisa
    http://www.piratesandmermaids.at

    • Antworten Nicole 16/11/2016 at 19:40

      Liebe Lisa,
      Ich finde es gibt wesentlich schrecklichere Dinge, als alles mögliche aufzuschreiben 🙂 Ansonsten hätte ich wohl auch nicht meinen Blog gestartet 🙂 Weiter so!
      Liebe Grüsse
      Nicole

  • Antworten Erik 10/11/2016 at 17:49

    Es ist immer besser seine Probleme zu lösen, statt sie aufzuschieben. Ein sehr schöner Beitrag, der aufzeigt, wie wichtig es ist, das Leben anzugehen und nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Das Aufschreiben ist dabei der erste Schritt. Danke für diesen Beitrag.

    • Antworten Nicole 16/11/2016 at 19:42

      Hallo Erik,
      da bin ich ganz deiner Meinung, ein gelungener Beitrag von Paul 🙂
      Liebe Grüsse
      Nicole

  • Antworten Joel 11/01/2017 at 20:58

    Es kann sehr helfen wenn man ein Tagebuch führt und jeden Tag das erlebte und emotionale Gedanken aufschreibt: Wie zum Beispiel bei mir wenn ich dem Sonnenuntergang zusehe dann kommen die grössten Gefühle zu Papier. wenn es einem schlecht geht kann man diese wunderschönen Erlebnisse nachlesen und meistens geht es mir danach besser.

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