Stille Wasser sind tief
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Stille Wasser sind tief

Heute möchte ich mal etwas ruhigere Töne anschlagen. Denn ich möchte mich hiermit gerne outen. Ja, ich bin ein stiller Mensch. Und ja, ich habe trotzdem viel zu sagen. Wie geht denn das?

Stille Wasser sind tief

Nur weil ich dir hier öffentlich tiefe Einblicke in meine Gedanken gewähre, heisst das nicht automatisch, dass ich ein wahnsinnig gesprächiger Mensch bin. Ich bin eher ruhig. Nicht, dass ich nicht spreche oder so 🙂 Aber ich bin nicht der Typ Mensch, der auf einer Party eine ganze Gruppe mit endlosem Gesprächsstoff füttern kann. Ich mag es nicht, ausgestellt zu sein. Ich höre sehr gerne zu, lasse meinem Gegenüber den Vortritt und spreche dann, wenn ich den Drang dazu verspüre und mich in meinem Umfeld wohl und verstanden fühle. Vorträge zu halten vor hunderten von Menschen, war nie mein Ding und auch nicht mein Ziel. Ich mag das nicht. Aber ich habe trotzdem viele Gedanken in mir, die raus wollen. Viele Worte möchte ich mit dir teilen. Und ich tue es – auf meine Art. Ich schreibe Texte und Briefe. Manchmal schreibe ich, bis meine Finger krampfen, weil mir so vieles auf der Seele brennt. Manchmal schreie ich meine inneren Gedanken förmlich heraus. Nur ist es still. Aber die Message dahinter ist dieselbe. Verstehst du, was ich damit meine?

Hör auf damit, anderen Menschen eine Show vorzuspielen!

Früher hat mich meine ruhige Art sehr genervt. Ich habe mich geärgert, dass mir nie die passenden Worte zur richtigen Zeit über die Lippe gesprungen sind oder ich nicht zu Wort gekommen bin, weil andere in meiner Gruppe einfach das grössere Mundwerk besessen haben. Heute respektiere ich mich und meine Art. Es ist nicht notwendig, dass ich krampfhaft versuche, anders zu sein und wie ein Wasserfall zu plaudern. Ich muss niemandem etwas beweisen. Es reicht, wenn ich so bin, wie ich bin. Denn wer mich wirklich kennt weiss, dass ich auch sehr gesprächig sein kann. Alles zur richtigen Zeit 🙂

Ruhige Menschen brauchen ein vertrauensvolles Verhältnis zu ihrem Gegenüber

Ich kenne einige Menschen, die als ruhig und unscheinbar gelten. Sie sprechen nicht viel, jedenfalls scheint das so. Aber auf den zweiten Blick erkennt man ganz gut, dass dies nicht wirklich stimmt. Ruhige Menschen sprechen sehr wohl und das manchmal auch nicht gerade wenig. Nur kommt halt nicht jeder in den Genuss ihrer Worte 🙂 Meine Familie und Freunde werden da sicherlich heftig nicken, wenn sie das lesen. Ich kann sehr wohl kurzzeitig zu einer Plaudertasche mutieren und wenn ich erst mal losgelegt habe, fallen so einige freche Sprüche in die Runde 🙂 Aber das Umfeld muss stimmig sein. Zu „fremden“ Menschen bin ich anfangs etwas distanziert. Ich beobachte und analysiere sie, uhuuu 🙂 Langsam baue ich ein Vertrauensverhältnis auf und wenn es dann erst einmal da ist und ich mich wohl fühle in meinem Umfeld, spüre ich eine innerliche Gelassenheit, die sich in meinem Körper ausbreitet. Dann werde ich lockerer und spreche auch mehr aus, was in meinem Kopf vor sich geht – was einem Feuerwerk wahrlich Konkurrenz machen kann.

Still ist nicht gleich still.

Ich will damit sagen: Wenn auch du eine ruhige Person bist, steh zu deiner Art und deinem Charakter. Es ist völlig okay, denn wir werden oft unterschätzt 🙂 Und falls du selber ein grösseres Mundwerk besitzt und ruhige Menschen in deinem Freundeskreis hast: Es ist nicht immer alles so, wie es auf den ersten Blick scheint. Denn stille Wasser sind tief. Stille Menschen haben viel zu sagen, aber sie teilen es dir auf ihre Weise mit. Respektiere sie! Denn wie soll es enden, wenn alle nur sprechen aber niemand mehr zuhört? 🙂

Kennst du das Video von Julia Engelmann? Stille Wasser sind attraktiv – wunderschöner Text, der zum Nachdenken anregt.

 

 

photo: unsplash.com
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11 Kommentare

  • Antworten Anja 08/02/2016 at 11:45

    Schön geschrieben und ein tolles Statement für alle Ruhigen unter uns. Ich hab mich lange Zeit sehr falsch gefühlt, weil ich immer sehr still und gerne alleine war. Vor allem als Kind. Mittlerweile hat sich das etwas geändert, ich halte sogar inzwischen gerne Vorträge. Trotzdem ist absolut nichts falsches daran, „schüchtern“ zu sein, im Gegenteil – ich finde das sogar sehr sympathisch.
    LG – Anja

    • Antworten Nicole 09/02/2016 at 16:55

      Liebe Anja,
      Dankeschön 🙂 Ja, im Gegensatz zu früher ist es bei mir auch schon viel besser geworden. Vorträge halten können weiterhin andere für mich übernehmen 🙂 Ich sende dir liebe Grüsse,
      Nicole

  • Antworten Maike 08/02/2016 at 13:07

    Liebe Nicole,
    ich habe mich in deinen Worten gleich wiedererkannt. Ich war auch immer eher still und habe es gehasst. Andere waren immer viel aufgedrehter, drängten sich in den Mittelpunkt und wurden dabei auch noch von anderen gefeiert. Ich dachte, ich müsste genauso sein um beliebter zu werden. Doch eins habe ich im Laufe der Zeit gelernt: Es macht nicht beliebt, sich zu verstellen. Ganz im Gegenteil. Andere Menschen merken, dass irgendetwas nicht stimmt und finden dich deswegen komisch, du bist ihnen unsympatisch.

    Vor einigen Jahren hatte ich ein Schlüsselerlebnis, das jeden Selbstzweifel in mir eliminierte. Mit genervtem Blick auf eine sehr aufgedrehte Person sagte mir jemand, dass es sehr angenehm sei, mit mir Zeit zu verbringen. Dieser einfach Satz änderte alles. Es gab jemanden, der gerne Zeit mit mir verbrachte, eben weil ich nicht jubelnd auf den Tischen tanzte. Warum also sollte ich mir die Sympathie von den Menschen erarbeiten (und nicht anderes als Arbeit wäre es, wenn ich mich verstelle), wenn es doch gleichzeitig Menschen gibt, die mich mögen, genauso wie ich bin. Das ist doch absurd.

    Mein Leben ist durch diese Erkenntnis so leicht geworden und ich bin nun tiefenentspannt, wenn ich mit anderen zusammen bin. Ich schweige, wenn ich schweigen will und rede, wenn ich reden will (gerne auch mal ohne Punkt und Komma, wenn mir danach ist ;-)). Aber immer ohne Zwang, ohne Zweifel, ohne Druck. Das ist großartig!

    Liebe Grüße
    Maike

    • Antworten Nicole 09/02/2016 at 16:58

      Liebe Maike,
      schön, dass du dich in meinen Worten wiedererkannt hast. Ich höre auch immer wieder, dass ich eine sehr angenehm ruhige Person bin und es immer so wirkt, als sei ich total gelassen und die Ruhe selbst. Nicht immer sieht es innerlich zwar so aus, aber alleine das auszustrahlen, ist doch wunderbar 🙂 Ich sende dir tiefenentspannte Grüsse! 🙂
      Nicole

  • Antworten Nina 08/02/2016 at 17:22

    Liebe Nicole,
    danke für diesen Beitrag! Ich habe mich darin sehr gut wiedergefunden.
    Zurzeit bin ich dabei, meine Introvertiertheit zu akzeptieren. Leider habe ich mir früher (und teilweise auch heute) oft von meinem Umfeld anhören dürfen, ich müsse mehr aus mir rauskommen und solle nicht immer so schüchtern sein… Dabei klappt es so erst recht nicht, wenn man das ständig gesagt bekommt -.- Ich wurde dadurch nur noch stiller und irgendwie blockierter.
    Also habe ich angefangen, mehr über Introvertiertheit zu lesen. Und langsam begreife ich, dass da gar nichts Schlechtes dran ist. Ich habe es mir nur viel zu oft von offeneren, „lauteren“ Leuten einreden lassen. Ich übe mich daher gerade in Selbstakzeptanz, was mal mehr, mal weniger gut klappt. Das verlinkte Video werde ich mir gleich mal anschauen/-hören 🙂
    Liebe Grüße
    Nina

    • Antworten Nicole 09/02/2016 at 17:01

      Liebe Nina,
      danke für deine Worte! Selbstakzeptanz ist hier das Schlüsselwort. Es braucht seine Zeit aber inzwischen bin ich happy mit meiner Art und freue mich, wenn ich ab und zu aufgedrehte Leute etwas mit meiner Ruhe anstecken kann 🙂 Liebe Grüsse an dich 🙂
      Nicole

  • Antworten Bettina 09/02/2016 at 8:19

    Liebe Nicole,
    danke für diesen Artikel und die Bestärkung, dass ruhige Menschen zu ihrer Art stehen sollen. Meine ruhige Art wurde früher vor allem im Berufsleben oft als Schwäche bezeichnet und hat mich dazu gebracht, an mir zu zweifeln und mich oft nicht wohl und aufgenommen zu fühlen. Ich wollte sein, wie andere: extrovertierter. Auffälliger. Angesehener. Bis ich einen Chef bekam, der meine ruhige Art als Stärke angesehen hat. Er sagte mir, ich bringe Ruhe in eine unruhige Abteilung. So etwas hätte dieser Abteilung gefehlt.

    Es hat mich damals sehr beeindruckt, dass jemand meine sonst als Schwäche bezeichnete Art als Stärke definiert hat. Mittlerweile stört es mich nicht, dass ich ruhiger bin als andere. Ich bin nicht schüchtern. Ich bin nicht unkommunikativ. Ich beobachte und ziehe Rückschlüsse und stehe zu meiner Meinung, aber ich habe einfach nicht immer was zu sagen.
    Ich freue mich, wenn mich jemand so mag, wie ich bin, aber es ist mittlerweile auch ok für mich, wenn jemand mit dieser Art wenig anfangen kann. Ich bleibe mir trotzdem treu.
    Danke auch für die Verlinkung des Videos. Ein sehr schöner Text!
    Liebe Grüße
    Bettina

    • Antworten Nicole 09/02/2016 at 17:04

      Liebe Bettina,
      gerne doch 🙂 Mein Chef hat mir übrigens auch gesagt, dass er meine ruhige Art schätzt und dass unser Team so wunderbar ausgeglichen ist. Stell dir mal vor, was für ein Hühnerstall, wenn alle in der Abteilung extrovertiert und laut wären 🙂 Nein, als wirklich schüchtern würde ich mich nicht mehr bezeichnen. Früher war das so. Heute bin ich einfach gelassen ruhig und das ist gut so. Liebe Grüsse und bleib kreativ 🙂
      Nicole

      • Antworten Bettina 10/02/2016 at 9:29

        Liebe Nicole,
        dann hast du auch einen prima Chef 🙂 Ich hätte gar nicht erwartet, dass du ruhig bist. Zugegeben: ich kenne dich nicht, aber nach deinem Schreibstil und Blog zu urteilen, hätte ich dich anders eingeschätzt. So kann man sich irren. 🙂
        Auf dass wir weiterhin gelassen ruhig bleiben!
        Dankeschön 😀 und liebe Grüße
        Bettina

  • Antworten traurige_blume1 23/08/2016 at 23:29

    Super Beitrag! Hat mir ein bisschen mut gegeben für das neue schuljahr was bald anfängt 🙂 ich war eig schon immer draussen (auch unter freunden) sehr ruhig… Und bei der Familie eher offen und laut 🙂 aber das hat sich auch geändert… Bin jz auch bei der Familie eher still… Aber naja…
    Manchmal wünsch ich mir einfach dass mich jn fragt was grad in mir vorgeht und ich soll ihr alles erzählen… Ich würd gern mit wem reden… Trau mich aber nicht…
    Aber wenns so weiter geht muss ich eh was unternehmen.. Aber naja.. 🙂
    Liebe Grüsse traurige_blume1 (S.)

    • Antworten Nicole 26/08/2016 at 11:19

      Liebe „trurige-blume“, es freut mich, dass dir mein Beitrag etwas Mut gegeben hat für das neue Schuljahr. Mit jemandem über deine Gefühle zu sprechen ist wichtig, trau dich. Sorgen mit sich herumzuschleppen ist nicht gut. Wenn du spürst, dass eine Veränderung notwendig ist, damit es dir besser geht, bist du schon einen guten Schritt weiter. Ich drücke dir die Daumen und habe immer ein offenes Ohr 🙂
      Liebe Grüsse
      Nicole

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