Ich bin traurig
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Ich bin traurig – und das ist ok so.

Lange habe ich überlegt, ob ich diesen Beitrag heute schreiben soll. Denn er ist eigentlich so gar nicht „bewusst glücklich“… Ganz im Gegenteil. Ich bin gerade unendlich traurig. Heute möchte ich dir meine Geschichte erzählen. Denn ich bin sicher, du erkennst dich darin wieder. Denn wo Glück ist, da ist Traurigkeit nicht weit. Und das ist völlig ok so. Ein Leben besteht nun mal aus Höhen und Tiefen und auch die Tiefen sollten nicht einfach unter den Tisch gekehrt werden. An ihnen wachsen wir von Tag zu Tag. Auch eine Blume, die eine harte Dürrezeit erlebt hat, kann wieder aufblühen, sobald die Regentropfen wieder auf sie herabfallen. Es ist ok auch mal traurig zu sein. Achtung, dieser Text ist nichts für schwache Nerven!

Schicksalsschlag – jetzt hat er mich getroffen!

Seit einer Woche schon, war meine Katze nicht mehr nach Hause gekommen. Das passte so gar nicht zu ihr. Und wer mich kennt, der weiss, wie tief meine Beziehung jeweils zu meinen Tieren ist. Vergeblich suchte ich sie im ganzen Quartier, rief täglich und auch nachts nach ihr. Doch weit und breit keine Spur. Also beschloss ich eine Vermisstenanzeige zu schalten und zu hoffen, dass jemand meiner Katze begegnen würde. Und so war ich natürlich überglücklich, als das Telefon klingelte und eine nette Frauenstimme am anderen Ende der Leitung war, die mir Hoffnung machte. Seit rund drei Tagen war nicht weit von meinem zu Hause eine Katze gesichtet worden, die auf einem Baum sass und sich nicht mehr vom Fleck rührte. Die Beschreibung passte genau auf meine Mieze. Und so traf ich einige Minuten später bei dem besagten Baum ein. „Baum“ war wohl ein wenig untertrieben. Das war eine rund 25-Meter hohe Tanne! Und meine Katze sass in der oberen Hälfte, versteckt zwischen dicken Ästen. Doch ich war nicht alleine da. Rund um die Tanne waren etliche Menschen versammelt, darunter auch viele Kinder. Sie alle hatten ihre Augen auf die Tanne gerichtet, auf meine Katze und auf die Feuerwehrmänner, die gerade damit beschäftigt waren, da rauf zu klettern und meine Katze zu retten. Mensch war ich froh, bald konnte ich sie wieder in meine Arme schliessen! Doch es sollte alles anders kommen, wie sich gleich herausstellte…

Glück und Trauer – dazwischen liegen oft nur einige Sekunden

Umso höher der Feuerwehrmann die Tanne hochkletterte, umso höher kletterte auch meine Katze. Sie hatte Angst, das war klar. Fremde Stimmen, fremde Menschen, ungewohnte Geräusche um sie herum… Der Feuerwehrmann rief zu uns nach unten: „Alle weg!“ Denn nun war er fast bei ihr oben und wollte sie mit einem Netz einfangen. Trotz actionreicher Kletterpartie schien alles so einfach und ich freute mich, bald wieder mit meiner Katze vereint zu sein.

Dann sprang sie. Leider nicht wie vorgesehen in das Netz…Wie aus dem nichts kam sie geflogen. Mit einem lauten Knall landete meine geliebte Katze direkt vor meinen Füssen. Und ich erspare dir nun weitere Details. Denn wie eine Katze aussieht, nachdem sie aus so einer Höhe in die Tiefe gestürzt und auf einem Steinboden aufgeprallt ist, kannst du dir vielleicht in etwa vorstellen. Grauenhaft! Total geschockt und mit meiner schwerverletzten Katze im Arm, rannte ich zum Tierarzt. Doch viel war an meiner Katze nicht mehr, wie es sein sollte. Nebst enormen Blutungen, gebrochenen Vorderbeinchen, war sie ausserdem durch einen Rückenbruch sofort querschnittsgelähmt. Ich musste sie also gehen lassen. Das ist keine erfundene Geschichte, dafür bedeutet mir meine Katze zu viel. Das ist meine Geschichte. Und deshalb bin ich heute traurig. Und ich werde es mit höchster Wahrscheinlichkeit noch eine Weile sein. Denn die schrecklichen Bilder müssen zuerst einmal verarbeitet werden.

Wieso erzähle ich dir das? Brauche ich Mitleid?

Schicksalsschläge lehren uns innezuhalten und dankbar zu sein!

Nein, ich brauche kein Mitleid. Denn davon wird meine Katze auch nicht wieder lebendig. Ich will dir damit etwas aufzeigen. Nämlich, dass du dich nicht für deine Traurigkeit entschuldigen musst. Es gibt Situationen im Leben, da gibt es nichts zu Lachen und dann sollte auch nicht künstlich Optimismus verbreitet werden. Es gibt Momente im Leben, da kannst du nicht einfach tanzend in der Gegend rumhüpfen und vor Freude laut singen. Manchmal IST man einfach traurig. Und das ist nicht falsch. Denn eine so tiefe Traurigkeit bringt dich automatisch dazu, das immer drehende Rad in deinem Kopf anzuhalten, innezuhalten und deine Gedanken kreisen zu lassen. Du siehst natürlich zuerst nur das Negative. Ich kenne keine Person, die mit ihrem schwerverletzten Tier im Kreis tanzt und vor Glück laut singt und jubelt. Das ist eine Lüge. Das gibt es nicht. In solch einem Moment denkst du nicht wie du „bewusst glücklich“ sein kannst. Aber du denkst an die Zeit zurück, wie es war, bevor dich dieser Schicksalsschlag getroffen hat. Du erinnerst dich, wie schön alles war… und du bist dankbar für die schöne Zeit, die du erleben durftest. Darum geht es! Es geht ums BEWUSST werden. Es geht um Dankbarkeit und es geht darum, dass der fröhlichste und positivste  Mensch auch einmal traurig sein darf, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen.

Ich bin traurig. Und das ist ok so.

 

 

photo: unsplash.com
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13 Kommentare

  • Antworten Julia 01/09/2015 at 6:45

    Ich drück dich ganz doll, aus der Ferne. Unbekannterweise. Und virtuell.
    Mag mir das gar nicht vorstellen… 🙁
    Aber du hast Recht! Auch ein glücklicher und optimistischer Mensch darf von Herzen auch mal traurig sein.
    Liebste Grüße
    Juila

    • Antworten Nicole 01/09/2015 at 10:08

      Liebe Julia, vielen Dank für deine Worte und deine virtuelle Umarmung 🙂
      Ich sende dir liebe Grüsse,
      Nicole

  • Antworten Linda 01/09/2015 at 7:29

    Liebe Nicole!

    Schrecklich! Sehr mutig, diese sehr persönliche Geschichte zu teilen. Wie geht es dir denn nach der Veröffentlichung dieses Artikels? Hat es dich etwas erleichtert diese Geschichte zu teilen oder welches Gefühl empfindest du?
    Ich hoffe sehr, dass deine Katze nicht sehr lange leiden musste. Ich drück dich auch ganz toll. Und ich finde auch: es ist vollkommen okay traurig zu sein! Sonst wären wir Menschen ja nicht echt.

    Hugs,
    Linda

    • Antworten Nicole 02/09/2015 at 15:50

      Liebe Linda,
      danke für deine Nachricht. Ganz ehrlich, der Artikel musste einfach raus 🙂 Denn ich weiss, dass Traurigkeit etwas ist, dass jeden irgendwann im Leben einmal so richtig überkommt und ich wollte damit aufzeigen, dass es völlig normal ist, auch wenn man ein positiver und aufgestellter Mensch ist. Mir geht es inzwischen schon wesentlich besser. Da ich ja generell der Meinung bin, dass Glück vor allem auch Einstellungssache ist, versuche ich jeden Tag ein bisschen mehr die schlimmen Bilder zu vergessen. Aber darüber zu schreiben, hat sicherlich sehr geholfen. Nein, die Katze musste nicht sehr lange leiden, da ich ja direkt und auf schnellstem Weg zum Tierarzt gefahren bin.

      Ich sende dir sonnige Grüsse,
      Nicole

  • Antworten Jasmin 02/09/2015 at 19:47

    Liebe Nicole,
    es tut mir sehr leid diese Geschichte zu lesen. Ich bin richtig betroffen. Ich fühle total mit dir, denn ich bin auch ein großer Tiernarr und werde immer fast verrückt, wenn ein Haustier krank ist oder stirbt.

    Vor 3 Wochen haben wir Abschied von unserer Wasserschildkröte genommen. Sie hatte zum dritten Mal Probleme beim Eierlegen. Die Not-OP bzw. die Nacht danach hat sie nicht überlebt. Auch da ging es mir sehr schlecht. Immer wieder denke ich mir: ein Haustier zu haben ist eigentlich Wahnsinn, weil man ja schon weiß: irgendwann ist es auch wieder vorbei. Die Schildkröte, Maggy, hätte allerdings noch 50 Jahre leben können.

    Ich weiß nicht, was dich trösten würde. Ich hoffe, ihr hattet viele – wenigstens einige – gute Jahre zusammen, und du kannst die Trauer bald überwinden. Dass Trauer okay ist, finde ich auch. Absolut.

    Mein aufrichtiges Beileid
    Jasmin

    • Antworten Nicole 04/09/2015 at 20:38

      Liebe Jasmin,
      vielen vielen Dank für deine Nachricht. Es muntert mich total auf, hier so mitfühlende Worte zu lesen 🙂 Das tut mir ebenfalls sehr leid mit deiner Wasserschildkröte. Das sind ganz tolle und spezielle Tiere 🙂 Denkst du denn daran, wieder eine Wasserschildkröte anzuschaffen? Ich konnte es jedenfalls nicht lassen: Heute ist eine neue tolle Katze bei uns eingezogen. Natürlich bin ich immer noch traurig über den Verlust aber das Leben geht weiter und ich konnte ein weiteres Tier glücklich machen und aus dem Tierheim befreien. Das macht mich ebenfalls unglaublich glücklich!

      Liebe Grüsse und alles Gute für dich!
      Nicole

      • Antworten Jasmin 07/09/2015 at 12:34

        Hallo Nicole,

        danke dir für deine Antwort. Ja, Schildkröten sind wirklich cool, allerdings auch sehr komplex. Ich habe auch mit dem Gedanken gespielt, aus dem Tierheim wieder ein Weibchen für unser Männchen zu holen. Die werden dort leider häufig abgegeben, weil die Menschen nach einer Weile wahrscheinlich merken, wie komplex die Haltung ist. Gerade das mit dem Eierlegen.
        Dann habe ich mich nochmal ausführlich belesen und überall gefunden, dass Einzelhaltung besser ist. Zu zweit kann es klappen, aber es herrscht dann auch Platzmangel. Daher bleibt unser Männchen Homer alleine, hat dadurch mehr Platz und ich bastle ständig daran, das Aquaterrarium für ihn noch ein bisschen schöner zu machen.
        Klar, warum nicht einer weiteren Katze ein schönes Leben ermöglichen. Deine Passion für die Tiere kannst du doch weiterhin ausleben und damit einem weiteren Wesen auf dieser Welt einen Gefallen tun! Auch ich hab schon überlegt, noch ein anderes Tier anzuschaffen, denke aber, dass ich mir – als Kopfmensch – damit momentan keinen Gefallen tun würde: noch mehr Verpflichtungen, noch mehr Probleme bei eventuellen Krankheiten, mehr Unflexibilität. Aber ein Tier reicht schließlich auch.
        Alles Gute und starte gut in die neue Woche.
        LG auch an deine neue Mieze!
        Jasmin

  • Antworten Sabine 03/09/2015 at 10:58

    Wow, Nicole – mit hat echt der Atem gestockt. Ich habe eine Hündin, Anouk, mit der ich sehr eng verbunden bin. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es sich anfühlen würde, wenn ihr etwas zustossen würde.
    Toll, wie du mit der Situation umgehst.
    Und manchmal hilft einem das Schreiben eines Blogartikels …
    Auch mich unterstützt es immer wieder, mir die ein oder andere Situation BEWUSST zu machen.
    Dir alles Gute,
    Sabine

    • Antworten Nicole 04/09/2015 at 20:40

      Liebe Sabine,
      Danke für deine Worte! Mir geht es inzwischen schon um einiges besser. Auch wenn es noch etwas Zeit brauchen wird, bis die seelischen Wunden heilen, ich bin optimistisch und freue mich nun, einer neuen Katze ein neues Heim schenken zu dürfen.

      Liebe Grüsse an dich,
      Nicole

  • Antworten Maike 06/09/2015 at 17:53

    Hallo Nicole,
    es tut mir unendlich leid, dass deine Katze gestorben ist.
    Letztes Jahr musste ich überraschend mein Kaninchen einschläfern lassen und ich war wirklich untröstlich. Ganz plötzlich ist ein Teil meines Lebens weggebrochen, um den ich sonst mein ganzes restliches Leben geplant habe. Ich habe mich in meinem Bett verkrochen und geweint, denn diese Traurigkeit musste einfach raus. Es hat unglaublich gut getan und es ging mir auch bald besser.

    Vermutlich ging es mir auch recht schnell besser, weil ich nach vorne geschaut habe. Genauso hast du es ja auch gemacht. Du hast dir ein neues Kätzchen geholt, und das ist okay. Ich habe die neue Freiheit genutzt, konnte spontan verreisen oder neue Möbel kaufen ohne Angst zu haben, dass sich jemand über das neue Zahnwetzwerkzeug freut. Das bedeutet nicht, dass ich mein Kaninchen nicht geliebt habe oder sogar froh war, dass ich ihn gehen lassen musste. Ich hätte ihn auch noch mit Freuden viele Jahre länger gehabt, aber es sollte wohl nicht sein.

    Das Einzige, was uns in solchen Situationen bleibt, ist die glückliche Erinnerung und der Blick nach vorne um uns nicht in der Trauer zu verlieren.

    Ganz liebe Grüße und eine große Umarmung
    Maike

    • Antworten Nicole 08/09/2015 at 8:36

      Liebe Maike,
      vielen lieben Dank für deine Nachricht! Ja, das Leben geht weiter und das ist auch gut so 🙂 Traurigkeit ist in Ordnung, solange sie wieder vergeht und man nach vorne blickt.
      Ich wünsche dir einen schönen Tag und sende dir liebe Grüsse,
      Nicole

  • Antworten Glücksdetektiv 08/09/2015 at 20:13

    Liebe Nicole,

    mein herzliches Beileid.
    Das ist ja wirklich eine schlimme Geschichte, insbesondere da die Rettung so nahe schien…
    Ganz ehrlich, wenn du jetzt nicht traurig wärst, würde mit dir etwas nicht stimmen.
    Nach einem glücklichen Leben zu streben heißt ja auch nicht, keine negativen Gefühle mehr zu empfinden.
    Wir brauchen negative Gefühle:
    Sie erden uns und halten uns auf dem Boden. Sie zeigen uns, wann es Zeit für einen Wandel in unserem Leben ist und manchmal lassen sie uns auch einfach nur erkennen, wie dankbar wir für alles sein sollten, was wir schon haben.

    Ich hoffe, du hast viele schöne Erinnerungen an die Zeit mit deiner Katze. Erinnerungen, die du hervorholen kannst, wann immer du dich nach ihrer Gesellschaft sehnst.

    Liebe Grüße,
    Katharina

    • Antworten Nicole 11/09/2015 at 7:28

      Liebe Katharina,
      ganz lieben Dank für deine aufmunternden Worte. Mir geht es schon viel besser 🙂 Ja, ich habe zum Glück viele schöne Erinnerungen, die mir auch der Tod nicht nehmen kann. Das ist ein schönes Gefühl, trotz allem.
      Ich sende dir liebe Grüsse,
      Nicole

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