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Alleine zu Fuss quer durch die Schweiz – Trans Swiss Trail Etappe 1

Das Kennenlernen und Treffen mit der lieben Nathalie von Nathalie on Tour  hat in mir etwas ausgelöst. Abenteuerlust und die Lust, das eigene Land zu entdecken und zu erforschen. Und ich habe mich gefragt, warum es uns eigentlich so oft in die Ferne zieht, weit weit weg von zu Hause, wenn es im eigenen Land noch so viele schöne unbesuchte Ort gibt. Wir nehmen stundenlange Reisen mit dem Flugzeug auf uns, nur um ein paar Strandfotos für das nächste Album zu knippsen und uns den weissen Bauch zu bräunen. Wir kennen die abgelegensten Winkel in Asien und Australien aber im eigenen Land hören wir von Orten, von denen wir nicht einmal gewusst haben, dass sie überhaupt existieren. So geht es mir jedenfalls. Ich war schon immer glücklich, in einem so schönen Land wie der Schweiz (Achtung jetzt wird es patriotisch) aufgewachsen zu sein. Ich liebe die Berge und die Seen aber ich kenne viele Orte in der Schweiz noch nicht. Nein, nicht nur Orte… es gibt Kantone, da bin ich allerhöchstens mal kurz mit dem Zug oder Auto durchgefahren. Und die Schweiz ist ja nun nicht sonderlich gross im Vergleich zu anderen Ländern.

Im Gespräch mit Nathalie ist das Feuer in mir entfacht, endlich das Land in dem ich zu Hause bin, näher kennenzulernen und Orte zu besuchen, an denen ich noch nie war. Zu Fuss die Schweiz durchwandern und möglichst viel Neues sehen, das ist mein Ziel. Der Trans Swiss Trail ist die Lösung. Einmal zu Fuss quer durch die Schweiz von Porrentruy (Kanton Jura) nach Mendrisio (Kanton Tessin / fast schon in Italien) 🙂 Mit 32 Etappen und einer Gesamtlänge von knapp 490 Kilometern, warum eigentlich nicht? 🙂 Warum direkt nach Spanien oder Frankreich reisen, um als Pilger den Jakobsweg zu bestreiten, wenn es Wege quasi vor der Haustüre gibt? Und so habe ich mich entschieden, immer mal wieder eine Etappe zu wandern, wenn die Sonne scheint und mir danach ist. Ohne Zwang und natürlich ganz ohne Hektik. Gerne werde ich ab und zu davon berichten. Vielleicht lebst du nicht in der Schweiz aber auch in deinem Land gibt es sicherlich noch unendlich viel zu entdecken. Wandere alleine oder mit Freunden, so wie du dich gerade fühlst oder sich die Situation ergibt. Wie du vielleicht schon weisst, geniesse ich es sehr, ab und zu Zeit für mich zu haben und einfach alleine etwas zu unternehmen. Ich brauche nicht immer Menschen und Trubel um mich. Ab und zu brauche ich einfach die Stille und die Natur. Und so laufe ich los…

Etappe 1: Porrentruy – St. Ursanne

Ich starte an einem Sonntagmorgen, vieles schläft noch. Im Zug nach Porrentruy hat es nur ein paar wenige Wanderer und eine handvoll Schnappsleichen, die es noch nicht ins Bett geschafft haben vom Ausgang am Samstagabend. Ich muss schmunzeln, als plötzlich erst ein Schnarchgeräusch und etwas später sogar mehrere Schnarchgeräusche den Zug erfüllen. Wie schade, dass sie nun den ganzen schönen Tag verschlafen werden und ihre Kopfschmerzen auskurieren müssen.

In Porrentruy angekommen suche ich den passenden Wanderweg und muss direkt eine Stunde opfern, da ich mich natürlich direkt verlaufe. Das kann ja heiter werden, aber ich lasse mich nicht entmutigen. Dafür kenne ich nun Porrentruy sehr gut, mit der sehr hübschen kleinen Altstadt 🙂 Eines wird mir schnell klar: Hier muss ich meine schlechten Französischkenntnisse aus der Schule wieder hervorkramen, mit Deutsch komme ich hier nicht weit. Aber mit „Bonjour“ und „Merci“ werde ich bestimmt über die Runden kommen 🙂

Böse Männer mit Axt und grossem Hunger!

Ich wandere durch grüne Felder und dichte Wälder und weit und breit kein Mensch zu sehen. Es ist wunderschön aber ich bin ganz alleine. Erste beklemmende Gefühle machen sich breit und mehrmals ertappe ich mich, wie ich mich im Wald plötzlich umdrehe und nach ungewöhnlichen Geräuschen lausche. Was ist, wenn plötzlich ein böser Mann mit der Axt aus dem Gebüsch springt und mich fressen möchte? 🙂 Kaum gedacht schon passiert es. Nicht ein Mann mit Axt springt auf mich zu aber hinter mir sind laute Motorengeräusche zu hören. Ein Motorrad mitten im Wald und auf dem Wanderweg. Ein Mann mit Axt UND Motorrad?! Was zum Teufel sucht ein Motorradfahrer mitten im Wald? Blitzartig klemme ich meinen Hausschlüssel zwischen die Finger, das spitzige Teil nach vorne gerichtet, bereit den Angreifer abzustechen (was in Anbetracht des mickrigen und kaum spitzigen Schlüssels sicher eine grosse Herausforderung gewesen wäre) 🙂 Ich werde nicht kampflos aufgeben, schliesslich möchte ich ja noch von meiner Wanderung berichten 🙂 Es geht nicht lange, da taucht der Motorradfahrer an meiner linken Seite auf, lächelt und grüsst mich mit: „Bonjour“. Das war’s schon? Erleichtert und belustigt über meinen wohl etwas aus dem Ruder gelaufenen Horror-Filme-Konsum, wandere ich weiter. Bestimmt ist der Motorradfahrer (wahrscheinlich ein Bauer) nur etwas weiter gefahren und wartet nun an einem passenden Ort hinter einem Baum auf mich…

Non, elle ne fait pas le parcours!

Dem Motorradfahrer begegne ich zum Glück nicht mehr aber ein paar Kilometer weiter gerate ich plötzlich in einen Waldlauf und werde überholt von etlichen Läufern, bekleidet mit Sportbekleidung und Startnummern. Ich sehe am Wegrand ein Schild mit der Aufschrift: „LES COURSES DU MONT-TERRIBLE“. Wie froh ich bin, muss ich nicht den steilen Waldweg hinauf rennen und kann gemütlich in meinem Schritt wandern. Nur dumm, dass mich die Zuschauer am Wegrand ebenfalls für eine müde gewordene Läuferin halten. Ich werde wild beklatscht und angefeuert mit den Worten: „Allez Hopp!“ Da mein Französisch leider nicht ausreicht, um den Leuten zu erklären, dass ich nicht am Lauf mitmache sondern nur wandere, nicke und lächle ich einfach und gehe weiter 🙂

Einsamkeit, Natur und Tiere – Eine Kraftwanderung

Und so führt mich meine erste Etappe sechs Stunden lang durch Felder, Wiesen, Wälder und scheinbar unbewohnte Dörfer. Ich geniesse die Natur, die Einsamkeit (trotz Angst vor dem bösen Mann mit der Axt) und die Tiere (Kühe, Pferde Vögel, die mir begegnen).

Vor lauter Abenteuer und Eindrücken habe ich sogar vergessen, eine Pause einzulegen und ein Feuer zu machen um meine Wurst zu grillieren. Alles egal. In St. Ursanne angekommen, werde ich von positiven Gefühlen überrollt. Ich habe es geschafft und bin stolz auf mich, dass ich alleine durch unbekanntes Gelände gewandert bin und einen neuen wunderschönen Teil Landschaft der Schweiz kennengelernt habe. Ich nehme viele einigartige Eindrücke mit und freue mich schon jetzt auf meine zweite Etappe.

Und das Fazit dieser Wanderung? Sei mutig und offen für neue Abenteuer und Erlebnisse. Vergiss nicht dein Land, während du ans Ende der Welt reist und schreibe deine ganz eigene Geschichte. Kein Mensch erlebt genau das, was du erlebst. Jeder empfindet, erlebt und fühlt anders. Geniesse die Welt mit deinen Augen und gehe öfter einen Pfad, den du nicht kennst 🙂

 

photo: meins 🙂
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1 Kommentar

  • Antworten Marie 15/05/2017 at 21:26

    Herrlich lustig geschrieben. Ich habe ein paar mal gelacht und geschmunzelt. Weiter so! 😉

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